Kombinatorik vertiefen — Permutationen, Variationen und Kombinationen
Lernziele
- Die vier Grundtypen der Kombinatorik systematisch unterscheiden
- Geordnete und ungeordnete Auswahl mit und ohne Wiederholung berechnen
- Den Binomialkoeffizienten korrekt einsetzen
- Kombinatorische Aufgaben aus Stochastik und Alltag lösen
Vorwissen empfohlen
Einführung
Wie viele verschiedene Passwörter aus 6 Buchstaben gibt es? Wie viele Möglichkeiten hat man beim Lotto? Wie viele Handshakes gibt es bei 10 Personen? Alle diese Fragen haben etwas gemeinsam — sie fragen, wie viele Möglichkeiten es gibt, Objekte auszuwählen oder anzuordnen.
Die Kombinatorik liefert systematische Antworten. Statt alle Möglichkeiten aufzuzählen, nutzt man Formeln — sobald man verstanden hat, welcher der vier Grundtypen vorliegt.
Grundidee
Die entscheidenden zwei Fragen:
- Spielt die Reihenfolge eine Rolle? (geordnet vs. ungeordnet)
- Darf dasselbe Element mehrfach vorkommen? (mit vs. ohne Wiederholung)
Das ergibt vier Fälle. Alle Kombinatorikaufgaben lassen sich in einen dieser Fälle einsortieren — dann braucht man nur noch die passende Formel.
Erklärung
Die vier Grundtypen
Wir wählen Objekte aus Objekten aus:
| mit Wiederholung | ohne Wiederholung | |
|---|---|---|
| geordnet | ||
| ungeordnet |
Jede Formel hat eine eigene Bedeutung und eigene Anwendungsgebiete.
Fall 1: Geordnet mit Wiederholung —
Bei jeder der Stellen gibt es Möglichkeiten, unabhängig von den anderen.
Formel:
Beispiel — PIN: Eine vierstellige PIN aus den Ziffern 0–9 (Wiederholung erlaubt, Reihenfolge wichtig):
Beispiel — Passwort: 6 Zeichen aus 26 Kleinbuchstaben:
Fall 2: Geordnet ohne Wiederholung —
Jedes Element darf nur einmal verwendet werden. Die erste Stelle hat Möglichkeiten, die zweite , usw.
Formel:
Für (alle Elemente anordnen): — das ist die klassische Permutation.
Beispiel — Podium: Aus 8 Läufern werden die Plätze 1, 2, 3 vergeben:
Beispiel — Anagramme: Wie viele Anordnungen hat das Wort MATHE (5 verschiedene Buchstaben)?
Fall 3: Ungeordnet ohne Wiederholung —
Die Reihenfolge spielt keine Rolle, jedes Element höchstens einmal. Das ist der Binomialkoeffizient:
Beispiel — Lotto 6 aus 49:
Die Gewinnwahrscheinlichkeit beträgt also .
Beispiel — Ausschuss: Aus 10 Personen soll ein 3-köpfiger Ausschuss gewählt werden:
Er gibt an, wie viele Möglichkeiten es gibt, Elemente aus auszuwählen, ohne Wiederholung und ohne Beachtung der Reihenfolge. Im Pascalschen Dreieck stehen genau diese Zahlen.
Fall 4: Ungeordnet mit Wiederholung —
Objekte dürfen mehrfach gewählt werden, aber die Reihenfolge ist irrelevant. Dieser Fall tritt seltener auf.
Formel:
Beispiel — Eiskugeln: Eine Eisdiele hat 5 Sorten. Du wählst 3 Kugeln aus (Wiederholung erlaubt, Reihenfolge egal):
Übersichtstabelle mit Beispielen
| Typ | Formel | Alltagsbeispiel |
|---|---|---|
| geordnet, mit Wdh. | PIN, Passwort, Würfeln | |
| geordnet, ohne Wdh. | Platzierung, Anagramme | |
| ungeordnet, ohne Wdh. | Lotto, Ausschüsse, Kartenhand | |
| ungeordnet, mit Wdh. | Eissorten, Münzauswahl |
Frag dich immer zuerst: Ist die Reihenfolge wichtig (z. B. Platzvergabe) oder nicht (z. B. Teamzusammenstellung)? Dann: Darf ein Element mehrfach gewählt werden oder nicht? Damit ist der Typ eindeutig bestimmt.
Zusammengesetzte Aufgaben
Viele Abi-Aufgaben kombinieren mehrere Schritte. Typisch: „Wähle zuerst 2 aus Gruppe A, dann 3 aus Gruppe B.” Die Gesamtzahl ist dann das Produkt der Einzelfälle.
Beispiel — Kartenspiel: Aus 32 Karten (Skat) wird eine Hand von 10 Karten verteilt. Wie viele Hände enthalten genau 3 Buben (es gibt 4 Buben)?
- 3 der 4 Buben wählen:
- 7 der restlichen 28 Karten wählen:
- Gesamt:
Beispiel aus dem Alltag
Sicherheitscodes: Ein Fahrradschloss hat 4 Stellen, jede mit den Ziffern 0–9. Das sind Codes — geordnet mit Wiederholung.
Wäre das Schloss stattdessen ein Buchstabencode mit 4 verschiedenen Buchstaben aus dem Alphabet (26): Möglichkeiten — geordnet ohne Wiederholung.
Betriebsrat: In einem Betrieb mit 80 Mitarbeitern soll ein 5-köpfiger Betriebsrat gewählt werden. Die Anzahl der möglichen Zusammensetzungen: — geordnete Auswahl spielt keine Rolle (ungeordnet ohne Wiederholung).
Anwendung
Aufgabe 1: Wie viele verschiedene Anordnungen hat das Wort MATHEMATIK (10 Buchstaben, davon M 2×, A 2×, T 2×)?
Lösung: Bei Wiederholung von Buchstaben: .
Aufgabe 2: Aus 6 Männern und 4 Frauen soll ein Team von 3 Männern und 2 Frauen gebildet werden. Wie viele Teams gibt es?
Lösung: .
Aufgabe 3: Ein Passwort besteht aus genau 2 Großbuchstaben (A–Z) gefolgt von 4 Ziffern (0–9), Wiederholung erlaubt. Wie viele Passwörter gibt es?
Lösung: .
Typische Fehler
Zusammenfassung
Merke dir:
- Die zwei Schlüsselfragen: geordnet oder ungeordnet? Mit oder ohne Wiederholung?
- Geordnet mit Wiederholung: — jede Stelle unabhängig wählen (Passwörter, PINs)
- Geordnet ohne Wiederholung: — Permutation (Platzierungen, Anagramme)
- Ungeordnet ohne Wiederholung: — der Binomialkoeffizient (Lotto, Ausschüsse)
- Ungeordnet mit Wiederholung: — seltenster Fall (Eissorten)
- Zusammengesetzte Aufgaben: Teilschritte multiplizieren
Quiz
Frage 1: In welchen der vier Typen gehört die folgende Aufgabe? „Aus 15 Fragen wählt ein Schüler 5 für seine Prüfungsvorbereitung aus. Die Reihenfolge spielt keine Rolle.”
Frage 2: Wie viele sechsstellige Binärcodes (nur 0 und 1) gibt es?
Frage 3: Warum gilt und ?
Frage 4: Ein Schloss hat drei Räder, jedes mit den Ziffern 1–8. Wie viele Codes gibt es? Wie viele, wenn alle drei Ziffern verschieden sein müssen?