Mittelstufe Standardaufgabe 12 Punkte ~25 Min. Natur & Technik

Linsengleichung und Bildkonstruktion

Aufgabenstellung

Ein Gegenstand der Höhe G=3,0  cmG = 3{,}0\;\text{cm} steht in einer Entfernung von g=12,0  cmg = 12{,}0\;\text{cm} vor einer Sammellinse mit der Brennweite f=8,0  cmf = 8{,}0\;\text{cm}.

  • (a) Berechnen Sie die Bildweite bb mithilfe der Linsengleichung. (3 BE)
  • (b) Berechnen Sie die Bildgröße BB und den Abbildungsmaßstab β\beta. (3 BE)
  • (c) Beschreiben Sie die Eigenschaften des Bildes (reell/virtuell, aufrecht/umgekehrt, vergrößert/verkleinert). (3 BE)
  • (d) Erklären Sie, was geschieht, wenn der Gegenstand innerhalb der Brennweite steht (g<fg < f), und nennen Sie ein optisches Gerät, das diesen Effekt nutzt. (3 BE)

Lösungsweg

Schritt 1: Bildweite berechnen (a)

Die Linsengleichung (Abbildungsgleichung für dünne Linsen) lautet:

1f=1g+1b\frac{1}{f} = \frac{1}{g} + \frac{1}{b}

Auflösen nach bb:

1b=1f1g\frac{1}{b} = \frac{1}{f} - \frac{1}{g}

1b=18,0112,0\frac{1}{b} = \frac{1}{8{,}0} - \frac{1}{12{,}0}

Gemeinsamer Nenner (24):

1b=324224=124\frac{1}{b} = \frac{3}{24} - \frac{2}{24} = \frac{1}{24}

b=24,0  cm\boxed{b = 24{,}0\;\text{cm}}

Das Bild entsteht 24,0  cm24{,}0\;\text{cm} hinter der Linse auf der gegenüberliegenden Seite des Gegenstands.

Schritt 2: Bildgröße und Abbildungsmaßstab (b)

Der Abbildungsmaßstab β\beta ist das Verhältnis von Bildweite zu Gegenstandsweite:

β=bg=24,012,0\beta = \frac{b}{g} = \frac{24{,}0}{12{,}0}

β=2,0\boxed{\beta = 2{,}0}

Die Bildgröße BB:

B=βG=2,03,0  cmB = \beta \cdot G = 2{,}0 \cdot 3{,}0\;\text{cm}

B=6,0  cm\boxed{B = 6{,}0\;\text{cm}}

Das Bild ist doppelt so groß wie der Gegenstand.

Schritt 3: Eigenschaften des Bildes (c)

Für einen Gegenstand, der außerhalb der Brennweite (g>fg > f) einer Sammellinse steht, gelten folgende Regeln:

EigenschaftErgebnisBegründung
Reell / VirtuellReellb>0b > 0: Das Bild entsteht auf der anderen Seite der Linse und kann auf einem Schirm aufgefangen werden.
Aufrecht / UmgekehrtUmgekehrt (kopfstehend)Bei reellen Bildern einer Sammellinse steht das Bild stets auf dem Kopf.
Vergrößert / VerkleinertVergrößert (β=2,0>1\beta = 2{,}0 > 1)Da gg zwischen ff und 2f2f liegt (8<12<168 < 12 < 16), ist das Bild vergrößert.

Spezialfall g=2fg = 2f: Bei g=16,0  cmg = 16{,}0\;\text{cm} wäre b=16,0  cmb = 16{,}0\;\text{cm} und β=1,0\beta = 1{,}0 — das Bild wäre gleich groß. Für g>2fg > 2f wird das Bild verkleinert.

Schritt 4: Gegenstand innerhalb der Brennweite (d)

Wenn der Gegenstand innerhalb der Brennweite steht (g<fg < f), z. B. bei g=5,0  cmg = 5{,}0\;\text{cm}:

1b=18,015,0=5840=340\frac{1}{b} = \frac{1}{8{,}0} - \frac{1}{5{,}0} = \frac{5 - 8}{40} = -\frac{3}{40}

b=13,3  cmb = -13{,}3\;\text{cm}

Die negative Bildweite bedeutet: Das Bild entsteht auf derselben Seite wie der Gegenstand. Es ist ein virtuelles Bild — es kann nicht auf einem Schirm aufgefangen werden, ist aber durch die Linse sichtbar.

Eigenschaften des virtuellen Bildes:

  • Virtuell (b<0b < 0)
  • Aufrecht (nicht umgekehrt)
  • Vergrößert (β>1|\beta| > 1)

Optisches Gerät: Die Lupe nutzt genau diesen Effekt. Der Gegenstand wird innerhalb der Brennweite einer Sammellinse platziert. Der Betrachter sieht durch die Linse ein vergrößertes, aufrechtes, virtuelles Bild. Die Lupe erzeugt keinen Schirm-Effekt, sondern erweitert den scheinbaren Sehwinkel des Gegenstands.

Die Vergrößerung einer Lupe beträgt näherungsweise:

Vs0fV \approx \frac{s_0}{f}

wobei s0=25  cms_0 = 25\;\text{cm} die deutliche Sehweite ist. Für f=8,0  cmf = 8{,}0\;\text{cm}:

V258,03,1-fachV \approx \frac{25}{8{,}0} \approx 3{,}1\text{-fach}

Ergebnis

GrößeWert
Bildweite bb24,0  cm24{,}0\;\text{cm}
Abbildungsmaßstab β\beta2,02{,}0
Bildgröße BB6,0  cm6{,}0\;\text{cm}
Bildeigenschaften (g>fg > f)Reell, umgekehrt, vergrößert
Bildeigenschaften (g<fg < f)Virtuell, aufrecht, vergrößert (Lupe)

Schlagwörter

optiklinsengleichungsammellinsebildkonstruktion