Mittelstufe Standardaufgabe 10 Punkte ~20 Min. Natur & Technik

Brechung und Snelliussches Brechungsgesetz

Aufgabenstellung

Ein Lichtstrahl trifft aus Luft (n1=1,00n_1 = 1{,}00) unter einem Einfallswinkel von α=45°\alpha = 45° auf eine Glasoberfläche (n2=1,52n_2 = 1{,}52).

  • (a) Berechnen Sie den Brechungswinkel β\beta mithilfe des Snelliusschen Brechungsgesetzes. (3 BE)
  • (b) Berechnen Sie den Grenzwinkel der Totalreflexion für den Übergang Glas → Luft. Erklären Sie, unter welchen Bedingungen Totalreflexion auftritt. (4 BE)
  • (c) Erklären Sie eine technische Anwendung der Totalreflexion und begründen Sie, warum sie dort eingesetzt wird. (3 BE)

Lösungsweg

Schritt 1: Brechungswinkel berechnen (a)

Das Snelliussche Brechungsgesetz lautet:

n1sinα=n2sinβn_1 \cdot \sin\alpha = n_2 \cdot \sin\beta

Auflösen nach β\beta:

sinβ=n1n2sinα\sin\beta = \frac{n_1}{n_2} \cdot \sin\alpha

Einsetzen:

sinβ=1,001,52sin45°\sin\beta = \frac{1{,}00}{1{,}52} \cdot \sin 45°

sinβ=0,65790,7071=0,4652\sin\beta = 0{,}6579 \cdot 0{,}7071 = 0{,}4652

β=arcsin(0,4652)\beta = \arcsin(0{,}4652)

β27,7°\boxed{\beta \approx 27{,}7°}

Der Lichtstrahl wird zum Lot hin gebrochen, da er vom optisch dünneren Medium (Luft, n1=1,00n_1 = 1{,}00) ins optisch dichtere Medium (Glas, n2=1,52n_2 = 1{,}52) übergeht. Dies ist die allgemeine Regel: Beim Übergang in ein dichteres Medium wird der Brechungswinkel kleiner als der Einfallswinkel.

Schritt 2: Grenzwinkel der Totalreflexion (b)

Totalreflexion tritt auf, wenn Licht vom optisch dichteren Medium (Glas) ins optisch dünnere Medium (Luft) übergeht und der Einfallswinkel den Grenzwinkel αG\alpha_G überschreitet.

Am Grenzwinkel wird der Brechungswinkel β=90°\beta = 90° (der gebrochene Strahl verläuft entlang der Grenzfläche). Für α>αG\alpha > \alpha_G wird das Licht vollständig reflektiert — kein Licht tritt mehr ins dünnere Medium über.

Berechnung aus dem Snelliusschen Gesetz mit β=90°\beta = 90°:

n2sinαG=n1sin90°n_2 \cdot \sin\alpha_G = n_1 \cdot \sin 90°

Hier ist n2=1,52n_2 = 1{,}52 (Glas, dichteres Medium) und n1=1,00n_1 = 1{,}00 (Luft, dünneres Medium):

sinαG=n1n2=1,001,52=0,6579\sin\alpha_G = \frac{n_1}{n_2} = \frac{1{,}00}{1{,}52} = 0{,}6579

αG=arcsin(0,6579)\alpha_G = \arcsin(0{,}6579)

αG41,1°\boxed{\alpha_G \approx 41{,}1°}

Bedingungen für Totalreflexion:

  1. Das Licht muss vom optisch dichteren ins optisch dünnere Medium übergehen (n2>n1n_2 > n_1).
  2. Der Einfallswinkel muss größer als der Grenzwinkel sein: α>αG\alpha > \alpha_G.

Beim umgekehrten Übergang (dünn → dicht, z. B. Luft → Glas) kann Totalreflexion nicht auftreten, da n1n2>1\frac{n_1}{n_2} > 1 keinen gültigen Arcussinus ergibt.

Schritt 3: Technische Anwendung der Totalreflexion (c)

Glasfaserkabel (Lichtwellenleiter):

Ein Glasfaserkabel besteht aus einem Kern (Core) mit hohem Brechungsindex (nKern1,50n_{\text{Kern}} \approx 1{,}50) und einem Mantel (Cladding) mit niedrigerem Brechungsindex (nMantel1,46n_{\text{Mantel}} \approx 1{,}46). Licht, das unter einem flachen Winkel in die Faser eintritt, trifft an der Grenzfläche Kern/Mantel unter einem Winkel, der den Grenzwinkel überschreitet. Durch wiederholte Totalreflexion wird das Licht im Kern gehalten und über Kilometer transportiert — nahezu verlustfrei.

Warum Totalreflexion? Im Gegensatz zu einer normalen Spiegelung (die immer mit Absorptionsverlusten verbunden ist) ist die Totalreflexion ein verlustfreier Prozess: 100 % des Lichts werden reflektiert. Daher eignet sie sich ideal für die Signalübertragung über große Distanzen. Glasfaserkabel übertragen Daten mit Lichtgeschwindigkeit und erreichen Bandbreiten, die Kupferkabel um Größenordnungen übertreffen.

Totalreflexion im Glasfaserkabel: verlustfreie Lichtleitung durch wiederholte Reflexion\boxed{\text{Totalreflexion im Glasfaserkabel: verlustfreie Lichtleitung durch wiederholte Reflexion}}

Ergebnis

GrößeWert
Brechungswinkel (Luft → Glas)β27,7°\beta \approx 27{,}7°
Grenzwinkel (Glas → Luft)αG41,1°\alpha_G \approx 41{,}1°
AnwendungGlasfaserkabel — verlustfreie Lichtleitung durch Totalreflexion

Schlagwörter

optikbrechungsnelliustotalreflexion