Fortgeschritten Komplexaufgabe 20 Punkte ~35 Min. Natur & Technik

Estersynthese: Gleichgewichtslage und Ausbeutesteigerung

Aufgabenstellung

Bei der Veresterung von Essigsäure mit Ethanol entsteht Ethylacetat (Essigester) und Wasser:

CH3COOH+C2H5OHCH3COOC2H5+H2O\text{CH}_3\text{COOH} + \text{C}_2\text{H}_5\text{OH} \rightleftharpoons \text{CH}_3\text{COOC}_2\text{H}_5 + \text{H}_2\text{O}

Die Gleichgewichtskonstante beträgt bei Raumtemperatur Kc=4,0K_c = 4{,}0.

  • (a) Stelle den Gleichgewichtsausdruck auf. Begründe, warum der Umsatz bei Kc=4,0K_c = 4{,}0 nicht vollständig ist. (3 BE)
  • (b) Man mischt jeweils 1,00  mol1{,}00\;\text{mol} Essigsäure und Ethanol in einem Gefäß. Berechne die Stoffmengen aller vier Stoffe im Gleichgewicht. (7 BE)
  • (c) Nenne zwei konkrete Maßnahmen, um die Ausbeute an Ester zu steigern, und begründe jede mit Le Chatelier. (4 BE)
  • (d) Ein Katalysator (Schwefelsäure) wird zugegeben. Erkläre, ob und wie sich dadurch die Gleichgewichtslage und die Ausbeute ändern. (3 BE)
  • (e) Diskutiere, warum in der industriellen Praxis oft ein großer Überschuss an Ethanol eingesetzt wird, obwohl dies zusätzliche Kosten verursacht. (3 BE)

Lösungsweg

Schritt 1: Gleichgewichtsausdruck und Vollständigkeit (a)

Kc=[Ester][H2O][Essigsa¨ure][Ethanol]=4,0K_c = \frac{[\text{Ester}] \cdot [\text{H}_2\text{O}]}{[\text{Essigsäure}] \cdot [\text{Ethanol}]} = 4{,}0

Kc=4,0K_c = 4{,}0 liegt zwar auf der Produktseite (Kc>1K_c > 1), ist aber nicht sehr groß. Für einen nahezu vollständigen Umsatz müsste Kc1000K_c \gg 1000 sein. Bei Kc=4,0K_c = 4{,}0 bleiben im Gleichgewicht erhebliche Mengen an Essigsäure und Ethanol übrig.

Schritt 2: Gleichgewichtsberechnung (b)

Ansatz mit der Umsatzvariable xx:

EssigsäureEthanolEsterH₂O
Start (mol)1,001{,}001,001{,}000000
Gleichgewicht (mol)1,00x1{,}00 - x1,00x1{,}00 - xxxxx

Da alle Stoffe im selben Volumen VV vorliegen, kürzt sich VV aus dem MWG:

Kc=xx(1,00x)(1,00x)=x2(1,00x)2=4,0K_c = \frac{x \cdot x}{(1{,}00 - x)(1{,}00 - x)} = \frac{x^2}{(1{,}00 - x)^2} = 4{,}0

Wurzel ziehen:

x1,00x=2,0\frac{x}{1{,}00 - x} = 2{,}0

x=2,0(1,00x)=2,02,0xx = 2{,}0 \cdot (1{,}00 - x) = 2{,}0 - 2{,}0\,x

3,0x=2,03{,}0\,x = 2{,}0

x=0,667  mol\boxed{x = 0{,}667\;\text{mol}}

Gleichgewichtsstoffmengen:

StoffStoffmenge
Essigsäure1,000,667=0,333  mol1{,}00 - 0{,}667 = 0{,}333\;\text{mol}
Ethanol1,000,667=0,333  mol1{,}00 - 0{,}667 = 0{,}333\;\text{mol}
Ester0,667  mol0{,}667\;\text{mol}
Wasser0,667  mol0{,}667\;\text{mol}

Kontrolle: Kc=0,66720,3332=0,4450,111=4,0K_c = \frac{0{,}667^2}{0{,}333^2} = \frac{0{,}445}{0{,}111} = 4{,}0

Die Ausbeute beträgt 66,7  %66{,}7\;\% — ein Drittel der Edukte bleibt ungenutzt.

Schritt 3: Maßnahmen zur Ausbeutesteigerung (c)

Maßnahme 1: Wasser entfernen (z. B. durch ein Trockenmittel oder Destillation)

Durch Entfernung von Wasser sinkt [H2O][\text{H}_2\text{O}] im Konzentrationsquotienten. Das System ist nicht mehr im Gleichgewicht (Q<KcQ < K_c). Nach Le Chatelier verschiebt sich das Gleichgewicht Richtung Produkt, um den „Verlust” auszugleichen → mehr Ester entsteht.

Maßnahme 2: Überschuss eines Edukts (z. B. doppelte Menge Ethanol)

Ein Überschuss an Ethanol erhöht [Ethanol][\text{Ethanol}]. Das System weicht aus, indem es mehr Ethanol verbraucht → das Gleichgewicht verschiebt sich Richtung Produkt → die Ausbeute an Ester (bezogen auf Essigsäure) steigt.

Schritt 4: Katalysator und industrielle Praxis (d, e)

Katalysator (d):

Schwefelsäure als Katalysator beschleunigt sowohl die Hin- als auch die Rückreaktion gleichermaßen. Die Gleichgewichtskonstante KcK_c ändert sich nicht. Die Gleichgewichtslage und die Ausbeute bleiben gleich. Der Katalysator sorgt nur dafür, dass das Gleichgewicht schneller erreicht wird — statt Tagen innerhalb von Stunden.

Ethanol-Überschuss in der Industrie (e):

Obwohl ein Ethanol-Überschuss Kosten verursacht, steigert er die Ausbeute bezogen auf die wertvollere Essigsäure deutlich. Bei doppelter Menge Ethanol (2,00  mol2{,}00\;\text{mol} statt 1,00  mol1{,}00\;\text{mol}) verschiebt sich das Gleichgewicht so, dass etwa 84,5  %84{,}5\;\% der Essigsäure umgesetzt werden. Der überschüssige Ethanol kann durch Destillation zurückgewonnen und wiederverwendet werden. Die Gesamtkosten sinken, weil weniger Essigsäure verloren geht.

Dies ist ein typisches Beispiel für den ökonomisch-chemischen Kompromiss: Man investiert in einen billigeren Stoff (Ethanol), um einen teureren (Essigsäure) effizienter zu nutzen.

Ergebnis

FrageAntwort
Umsatz (äquimolar)66,7  %66{,}7\;\% — ein Drittel bleibt übrig
Ester im Gleichgewicht0,667  mol0{,}667\;\text{mol} von je 1,00  mol1{,}00\;\text{mol} Edukt
AusbeutesteigerungWasser entfernen oder Ethanol-Überschuss
KatalysatorKeine Änderung der Ausbeute, nur schnellere Einstellung
Ethanol-ÜberschussSteigert Ausbeute auf ca. 84,5 %, Ethanol wird recycelt

Schlagwörter

massenwirkungsgesetzgleichgewichtskonstantele-chatelieresterveresterungausbeute