Estersynthese: Gleichgewichtslage und Ausbeutesteigerung
Aufgabenstellung
Bei der Veresterung von Essigsäure mit Ethanol entsteht Ethylacetat (Essigester) und Wasser:
Die Gleichgewichtskonstante beträgt bei Raumtemperatur .
- (a) Stelle den Gleichgewichtsausdruck auf. Begründe, warum der Umsatz bei nicht vollständig ist. (3 BE)
- (b) Man mischt jeweils Essigsäure und Ethanol in einem Gefäß. Berechne die Stoffmengen aller vier Stoffe im Gleichgewicht. (7 BE)
- (c) Nenne zwei konkrete Maßnahmen, um die Ausbeute an Ester zu steigern, und begründe jede mit Le Chatelier. (4 BE)
- (d) Ein Katalysator (Schwefelsäure) wird zugegeben. Erkläre, ob und wie sich dadurch die Gleichgewichtslage und die Ausbeute ändern. (3 BE)
- (e) Diskutiere, warum in der industriellen Praxis oft ein großer Überschuss an Ethanol eingesetzt wird, obwohl dies zusätzliche Kosten verursacht. (3 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Gleichgewichtsausdruck und Vollständigkeit (a)
liegt zwar auf der Produktseite (), ist aber nicht sehr groß. Für einen nahezu vollständigen Umsatz müsste sein. Bei bleiben im Gleichgewicht erhebliche Mengen an Essigsäure und Ethanol übrig.
Schritt 2: Gleichgewichtsberechnung (b)
Ansatz mit der Umsatzvariable :
| Essigsäure | Ethanol | Ester | H₂O | |
|---|---|---|---|---|
| Start (mol) | ||||
| Gleichgewicht (mol) |
Da alle Stoffe im selben Volumen vorliegen, kürzt sich aus dem MWG:
Wurzel ziehen:
Gleichgewichtsstoffmengen:
| Stoff | Stoffmenge |
|---|---|
| Essigsäure | |
| Ethanol | |
| Ester | |
| Wasser |
Kontrolle: ✓
Die Ausbeute beträgt — ein Drittel der Edukte bleibt ungenutzt.
Schritt 3: Maßnahmen zur Ausbeutesteigerung (c)
Maßnahme 1: Wasser entfernen (z. B. durch ein Trockenmittel oder Destillation)
Durch Entfernung von Wasser sinkt im Konzentrationsquotienten. Das System ist nicht mehr im Gleichgewicht (). Nach Le Chatelier verschiebt sich das Gleichgewicht Richtung Produkt, um den „Verlust” auszugleichen → mehr Ester entsteht.
Maßnahme 2: Überschuss eines Edukts (z. B. doppelte Menge Ethanol)
Ein Überschuss an Ethanol erhöht . Das System weicht aus, indem es mehr Ethanol verbraucht → das Gleichgewicht verschiebt sich Richtung Produkt → die Ausbeute an Ester (bezogen auf Essigsäure) steigt.
Schritt 4: Katalysator und industrielle Praxis (d, e)
Katalysator (d):
Schwefelsäure als Katalysator beschleunigt sowohl die Hin- als auch die Rückreaktion gleichermaßen. Die Gleichgewichtskonstante ändert sich nicht. Die Gleichgewichtslage und die Ausbeute bleiben gleich. Der Katalysator sorgt nur dafür, dass das Gleichgewicht schneller erreicht wird — statt Tagen innerhalb von Stunden.
Ethanol-Überschuss in der Industrie (e):
Obwohl ein Ethanol-Überschuss Kosten verursacht, steigert er die Ausbeute bezogen auf die wertvollere Essigsäure deutlich. Bei doppelter Menge Ethanol ( statt ) verschiebt sich das Gleichgewicht so, dass etwa der Essigsäure umgesetzt werden. Der überschüssige Ethanol kann durch Destillation zurückgewonnen und wiederverwendet werden. Die Gesamtkosten sinken, weil weniger Essigsäure verloren geht.
Dies ist ein typisches Beispiel für den ökonomisch-chemischen Kompromiss: Man investiert in einen billigeren Stoff (Ethanol), um einen teureren (Essigsäure) effizienter zu nutzen.
Ergebnis
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Umsatz (äquimolar) | — ein Drittel bleibt übrig |
| Ester im Gleichgewicht | von je Edukt |
| Ausbeutesteigerung | Wasser entfernen oder Ethanol-Überschuss |
| Katalysator | Keine Änderung der Ausbeute, nur schnellere Einstellung |
| Ethanol-Überschuss | Steigert Ausbeute auf ca. 84,5 %, Ethanol wird recycelt |