📋 Aufgabenblatt Raum, Umwelt & Welt Für Lehrkräfte & SuS

Klimawandel — Fakten von Meinungen trennen

Schüler lernen den Unterschied zwischen wissenschaftlichem Konsens und politischen Meinungen zum Klimawandel zu erkennen — und eigene Argumente zu schärfen.

KI-Kontext

KI kann Argumente liefern, aber die kritische Einordnung und Abwägung kann sie nicht übernehmen. Aufgaben 3–5 sind explizit KI-frei gestaltet.

Geförderte Kompetenzen

  • Wissenschaftlichen Konsens vom Meinungsstreit trennen
  • Argumente analysieren und bewerten
  • Eigene Position klar und differenziert begründen
  • Mit Unsicherheit in wissenschaftlichen Aussagen umgehen

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Überblick für Lehrkräfte

Der Klimawandel ist eines der bestuntersuchten Phänomene der modernen Wissenschaft — und gleichzeitig Gegenstand heftiger politischer Debatten. Diese Spannung ist für Schülerinnen und Schüler oft verwirrend: Wenn Wissenschaftlerinnen sich so sicher sind, warum streiten Politikerinnen dann noch darüber? Dieses Aufgabenblatt hilft, diese Verwirrung produktiv zu nutzen: Nicht als Grund zur Skepsis gegenüber der Wissenschaft, sondern als Einstieg in die Unterscheidung von Fakten, Interpretationen und Wertentscheidungen.

Die Kernfähigkeit, die hier geübt wird, ist grundlegend für politische Mündigkeit: Wer erkennt, wann eine Aussage auf Evidenz basiert und wann sie eine Werteentscheidung ist, kann Debatten klarer führen und ist weniger anfällig für Manipulation. Aufgaben 1 und 2 können mit digitaler Unterstützung erarbeitet werden; Aufgaben 3–5 sind bewusst KI-frei gestaltet, da sie kritisches Urteilen und persönliches Schreiben erfordern.

Der Ansatz

Das Blatt folgt dem Prinzip „Schwimmen lernen, indem man ins Wasser geht”: Statt Fakten und Meinungen abstrakt zu definieren, sortieren Schülerinnen zunächst echte Aussagen aus der öffentlichen Debatte. Dabei stoßen sie auf Grenzfälle, die zum Nachdenken zwingen. Im zweiten Schritt wird ein IPCC-Originalzitat analysiert — die Schülerinnen erleben, wie vorsichtig und präzise Wissenschafterinnen formulieren und was das bedeutet. Die Abschlussaufgaben fordern eigene Texte, die Fakt und Wertung bewusst trennen.

Aufgabenstruktur

Aufgabe 1: Sortieren — Fakt, Meinung oder umstritten?

Zehn Aussagen werden auf Karten gedruckt (alternativ: Tabelle im Arbeitsblatt). Schülerinnen sortieren sie in drei Kategorien: wissenschaftlicher Fakt, politische Meinung, wissenschaftlich umstritten.

Beispielaussagen:

  • „Die durchschnittliche Erdtemperatur ist seit 1880 um ca. 1,2°C gestiegen.” → Fakt (IPCC AR6)
  • „Kernenergie ist die Lösung des Klimaproblems.” → Meinung (Wertentscheidung)
  • „Der Klimawandel ist hauptsächlich menschengemacht.” → Fakt (97% Konsens unter Klimaforscherinnen)
  • „Deutschland soll bis 2035 aus der Kohle aussteigen.” → Meinung (politische Entscheidung)
  • „Extremwetterereignisse werden häufiger.” → Wissenschaftlich differenziert (regional unterschiedlich)

Die Sortieraufgabe ist bewusst so konstruiert, dass Grenzfälle entstehen — und damit Diskussionsbedarf.

Aufgabe 2: IPCC-Zitat analysieren

Ein Originalzitat aus dem IPCC AR6 Synthesebericht (auf Deutsch übersetzt) wird analysiert: Was sagt die Aussage? Was sagt sie ausdrücklich nicht? Welche Wörter zeigen Unsicherheitsgrade an? (z.B. „sehr wahrscheinlich”, „mit hoher Konfidenz”).

Schülerinnen erkennen: Wissenschaft formuliert Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten — das ist Stärke, nicht Schwäche.

Aufgabe 3: Klimapolitische Positionen auf Faktenbasis bewerten [KI-frei]

Drei klimapolitische Positionen werden verglichen — angelehnt an die Positionen verschiedener Parteien im Deutschen Bundestag (Grüne, FDP, AfD-ähnliche Positionen zu Klimaschutz). Schülerinnen analysieren: Welche Aussagen in diesen Positionen basieren auf Fakten? Welche sind Wertentscheidungen? Welche Aussagen widersprechen dem wissenschaftlichen Konsens?

Aufgabe 4: Meinungstext schreiben [KI-frei]

Die Schülerinnen schreiben einen Meinungstext (ca. 250 Wörter) zur Klimapolitik, in dem Fakt und Wertung klar getrennt sind. Tipp für Lehrkräfte: Vorab besprechen, wie man diese Trennung sprachlich markiert („Die Wissenschaft zeigt, dass … / Ich bin der Meinung, dass …”).

Aufgabe 5: Reflexionsfrage [KI-frei]

„Wo hört Wissenschaft auf und fängt Politik an?” — Schülerinnen schreiben eine kurze Antwort (5–8 Sätze), die auf den Aufgaben 1–4 aufbaut.

Einsatzmöglichkeiten

  • Einzelstunde (45 min): Aufgaben 1–2 gemeinsam, Aufgabe 5 als Reflexionseinstieg
  • Doppelstunde (90 min): Alle fünf Aufgaben; Aufgabe 3 als Gruppenarbeit, Aufgabe 4 als stille Schreibphase
  • Hausaufgabe: Aufgabe 4 (Meinungstext) kann gut zu Hause fertiggestellt werden
  • Fächerübergreifend: Aufgabe 4 eignet sich für den Deutschunterricht (Erörterung); Aufgabe 2 für Philosophie (Erkenntnistheorie)

Die Kernbotschaft

Wer Fakten und Meinungen klar unterscheidet, kann demokratische Debatten führen — und manipulative Argumente erkennen.

Schlagwörter

klimawandelargumentationwissenschaftmedienkompetenz