Klimadiagramme — Zwei Klimazonen im Vergleich
Zur Lektion: Klimazonen der Erde — Warum es wo heiß oder kalt ist
Aufgabenstellung
Ausgangspunkt
Die folgenden Klimadaten stammen von zwei Wetterstationen. Analysiere die Tabelle und beantworte die Aufgaben.
Station A: Manaus, Brasilien (3°S, 60°W; Höhe: 72 m ü. NN)
| Monat | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Temp. (°C) | 27 | 27 | 27 | 27 | 27 | 27 | 28 | 28 | 29 | 29 | 29 | 28 |
| Niederschlag (mm) | 260 | 290 | 310 | 300 | 260 | 100 | 60 | 40 | 60 | 120 | 170 | 220 |
Station B: Hamburg, Deutschland (53°N, 10°E; Höhe: 15 m ü. NN)
| Monat | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Temp. (°C) | 2 | 2 | 5 | 9 | 14 | 17 | 19 | 19 | 15 | 11 | 6 | 3 |
| Niederschlag (mm) | 65 | 45 | 55 | 45 | 55 | 70 | 80 | 85 | 75 | 75 | 75 | 75 |
Aufgaben
- (a) Ordne beide Stationen einer Klimazone nach Köppen-Geiger zu und begründe deine Zuordnung anhand der Tabellendaten. (3 BE)
- (b) Beschreibe die Unterschiede in Vegetation und Landwirtschaft, die sich aus den jeweiligen Klimadaten ergeben. Gehe auf mindestens zwei konkrete Beispiele pro Station ein. (3 BE)
- (c) Erkläre, warum Hamburg trotz seiner Lage auf dem 53. Breitengrad (vergleichbar mit der Lage Sibiriens) deutlich mildere Temperaturen aufweist als aufgrund der Breitenlage zu erwarten wäre. Welche Rolle spielt der Golfstrom? (3 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Klimazonenzuordnung begründen (a)
Station A: Manaus → Tropisches Regenwaldklima (Köppen: Af)
Merkmale aus den Daten:
- Jahresmitteltemperatur konstant bei ca. 27–29°C — kein Monat unter 18°C → typisch tropisch
- Ganzjährig hohe Niederschläge (40–310 mm), kein Monat bleibt vollständig trocken
- Niederschlag übersteigt 60 mm in den meisten Monaten → nach Köppen „f” (feucht das ganze Jahr)
- Die leicht ausgeprägte Trockenzeit (Jun–Aug: unter 100 mm) deutet auf einen Übergang zum Af/Am-Typ hin
Zuordnung: tropisches Regenwald-/Monsunklima (Af/Am) — charakteristisch für die Äquatorialregion des Amazonasbeckens.
Station B: Hamburg → Gemäßigtes ozeanisches Klima (Köppen: Cfb)
Merkmale aus den Daten:
- Jahrestemperaturamplitude von 17°C (2°C im Winter bis 19°C im Sommer) — deutliche Jahreszeiten
- Kein Monat unter −3°C und kein Monat über 22°C → gemäßigt ozeanisch
- Ganzjährige Niederschläge ohne ausgeprägte Trockenzeit (45–85 mm gleichmäßig verteilt)
- Niederschlagsmaximum im Sommer/Herbst → typisch für Westküsten der gemäßigten Zone
Zuordnung: Gemäßigtes ozeanisches Klima (Cfb) — typisch für Westeuropa unter dem Einfluss des Atlantiks.
Schritt 2: Vegetation und Landwirtschaft vergleichen (b)
Station A (Manaus — tropisches Klima):
- Vegetation: Der tropische Regenwald (Selva) ist durch mehrstöckige Vegetation mit Baumriesen (bis 50 m), Lianen, Epiphyten und einem dichten Kronendach geprägt. Die konstante Wärme und Feuchtigkeit ermöglichen ganzjähriges Pflanzenwachstum ohne Ruhephase.
- Landwirtschaft: Anbau von Tropenfrüchten wie Bananen, Kakao, Kaffee und Zuckerrohr ist ganzjährig möglich. Traditionelle Landwirtschaft (Subsistenz) nutzt Brandrodung, da die Böden trotz üppiger Vegetation nährstoffarm sind (Nährstoffe sind im Ökosystem gebunden, nicht im Boden). Moderne Agrarindustrie baut Soja und Palmöl an.
Station B (Hamburg — gemäßigtes Klima):
- Vegetation: Laubmischwälder mit Rotbuche, Eiche und Esche dominieren die natürliche Vegetation. Im Winter Laubabwurf als Anpassung an Frostperioden und geringere Sonneneinstrahlung.
- Landwirtschaft: Getreideanbau (Weizen, Roggen, Gerste) und Viehwirtschaft sind angepasst an die Jahreszeiten — Aussaat im Frühling, Ernte im Sommer/Herbst. Zuckerrüben und Raps als wichtige Kulturen der norddeutschen Tiefebene. Der Anbau tropischer Früchte ist ohne Gewächshaus nicht möglich.
Schritt 3: Golfstrom und Meeresklima erklären (c)
Hamburg liegt auf dem 53. Breitengrad — vergleichbar mit der Lage von Nowosibirsk (Sibirien) oder der zentralen Hudson Bay (Kanada). Diese Regionen haben Jahresmitteltemperaturen von −5 bis −15°C. Hamburg hingegen hat ein Jahresmittel von ca. 10°C. Dieser Unterschied hat zwei Hauptursachen:
1. Golfstrom (Atlantische Umwälzzirkulation): Der Golfstrom transportiert warmes Oberflächenwasser aus dem Tropischen Atlantik in Richtung Nordeuropa. Er gibt auf seinem Weg enorme Wärmemengen an die Atmosphäre ab. Der daraus resultierende warme Westwind erwärmt Westeuropa — besonders im Winter verhindern diese Wärmetransporte, dass die Temperaturen sibirisch tief sinken. Hamburg profitiert von dieser “Heizung” aus dem Atlantik.
2. Ozeanisches Klima (maritime Lage): Wasser speichert Wärme viel besser als Land (hohe Wärmekapazität). Der Atlantik wirkt daher als Temperaturspeicher: Er gibt im Winter Wärme ab und verhindert heiße Sommer. Das erklärt die relativ kleinen Jahrestemperaturschwankungen in Hamburg (17°C) im Vergleich zu kontinentalen Lagen (40–60°C in Sibirien). Ohne den Atlantik und den Golfstrom würde Hamburg ein deutlich kälteres, kontinentaleres Klima aufweisen.
Ergebnis
| Aspekt | Manaus (Station A) | Hamburg (Station B) |
|---|---|---|
| Klimazone | Tropisches Regenwaldklima (Af/Am) | Gemäßigtes ozeanisches Klima (Cfb) |
| Temperatur | Ganzjährig 27–29°C | 2–19°C mit deutlichen Jahreszeiten |
| Niederschlag | Hoch, leichte Trockenzeit | Gleichmäßig, ganzjährig |
| Vegetation | Tropischer Regenwald | Laubmischwald |
| Landwirtschaft | Tropenfrüchte, Soja | Getreide, Zuckerrüben, Vieh |
| Besonderheit Klima | Äquatornähe, Luftkonvergenz | Golfstrom mildert Wintertemperaturen |