Alkane benennen nach IUPAC-Nomenklatur
Aufgabenstellung
Gegeben ist die folgende Strukturformel eines verzweigten Alkans:
- (a) Benennen Sie die Verbindung nach den IUPAC-Regeln. Erläutern Sie dabei Schritt für Schritt Ihr Vorgehen. (4 BE)
- (b) Zeichnen Sie die Halbstrukturformel des Alkans 2,2,4-Trimethylpentan (Isooctan) und erklären Sie, warum es als Referenzsubstanz für die Oktanzahl verwendet wird. (3 BE)
- (c) Erklären Sie, warum verzweigte Alkane niedrigere Siedepunkte als unverzweigte Alkane gleicher Molmasse haben. (3 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: IUPAC-Benennung der gegebenen Verbindung (a)
Die Benennung nach IUPAC erfolgt in drei Schritten:
1. Längste Kohlenstoffkette finden (Stammname): Die Kette wird so gewählt, dass sie möglichst lang ist. Durchnummerierung ergibt:
Die längste Kette enthält 5 C-Atome in der Hauptkette → Stammname: Pentan. Allerdings muss geprüft werden, ob die Ethylgruppe an C-4 eine längere Kette ergibt: C1–C2–C3–C4–CH₂–CH₃ ergibt 6 C-Atome → Stammname: Hexan.
Korrekte Nummerierung mit der längsten Kette (6 C-Atome):
Hier wird die Ethylgruppe Teil der Hauptkette, und an C-4 verbleibt eine Methylgruppe.
2. Substituenten identifizieren und nummerieren:
- C-2: Methylgruppe (–CH₃)
- C-4: Methylgruppe (–CH₃)
Nummerierung so wählen, dass die Substituenten möglichst niedrige Positionszahlen erhalten. Von links: 2,4. Von rechts: 3,5. Die Nummerierung 2,4 ist niedriger.
3. Name zusammensetzen:
Schritt 2: 2,2,4-Trimethylpentan (Isooctan) (b)
Halbstrukturformel:
Am C-2 befinden sich zwei Methylgruppen, am C-4 eine Methylgruppe. Die Summenformel ist — ein Octan-Isomer.
Referenzsubstanz für die Oktanzahl: Die Oktanzahl (OZ) misst die Klopffestigkeit eines Kraftstoffs. Isooctan erhält per Definition OZ = 100, weil es durch seine starke Verzweigung besonders klopffest ist. n-Heptan (unverzweigt) erhält OZ = 0. Kraftstoffe werden als Mischung dieser Referenzsubstanzen bewertet: „Super 95” entspricht in seiner Klopffestigkeit einer Mischung aus 95 % Isooctan und 5 % n-Heptan.
Schritt 3: Siedepunkte verzweigter vs. unverzweigter Alkane (c)
Alkane sind unpolare Moleküle, deren Siedepunkt durch Van-der-Waals-Kräfte (London-Dispersionskräfte) bestimmt wird. Diese intermolekularen Kräfte hängen von der Kontaktfläche zwischen den Molekülen ab:
Unverzweigte Alkane haben eine langgestreckte, fadenförmige Gestalt. Die Moleküle können sich eng aneinanderlegen, was eine große Kontaktfläche und damit starke Van-der-Waals-Wechselwirkungen ergibt.
Verzweigte Alkane haben eine kompaktere, kugelförmigere Gestalt. Die Moleküle können sich weniger eng aneinanderlegen, die Kontaktfläche ist kleiner, und die Van-der-Waals-Kräfte sind schwächer.
Beispiel: n-Pentan () siedet bei , das stark verzweigte Neopentan (2,2-Dimethylpropan, gleiche Summenformel) bereits bei — ein Unterschied von fast trotz identischer Molmasse.
Ergebnis
| Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|
| IUPAC-Name der Verbindung | 2,4-Dimethylhexan |
| 2,2,4-Trimethylpentan | Isooctan, OZ = 100 (Referenz für Klopffestigkeit) |
| Siedepunktunterschied | Verzweigung → geringere Kontaktfläche → schwächere Van-der-Waals-Kräfte |