Eine Krankheit tritt in der Bevölkerung mit einer Prävalenz von 2% auf. Ein diagnostischer Test hat eine Sensitivität von 95% und eine Spezifität von 90%.
- (a) Stellen Sie eine Vierfeldertafel für 10000 Personen auf.
- (b) Berechnen Sie den positiven Vorhersagewert P(krank∣positiv) mithilfe des Satzes von Bayes.
- (c) Berechnen Sie den negativen Vorhersagewert P(gesund∣negativ).
- (d) Erklären Sie, warum P(krank∣positiv) trotz hoher Sensitivität so niedrig ausfällt.
- (e) Wie verändert sich P(krank∣positiv), wenn die Prävalenz 10% beträgt?
Bezeichnungen:
- K: „Person ist krank”
- T+: „Test fällt positiv aus”
Gegeben: P(K)=0,02, Sensitivität P(T+∣K)=0,95, Spezifität P(T−∣Kˉ)=0,90
Aus 10000 Personen:
- Kranke: 10000⋅0,02=200
- Gesunde: 10000−200=9800
Testergebnisse:
- Richtig positiv: 200⋅0,95=190
- Falsch negativ: 200−190=10
- Falsch positiv: 9800⋅0,10=980
- Richtig negativ: 9800−980=8820
| K (krank) | Kˉ (gesund) | Summe |
|---|
| T+ (positiv) | 190 | 980 | 1170 |
| T− (negativ) | 10 | 8820 | 8830 |
| Summe | 200 | 9800 | 10000 |
P(K∣T+)=P(T+)P(T+∣K)⋅P(K)
Totale Wahrscheinlichkeit für ein positives Ergebnis:
P(T+)=P(T+∣K)⋅P(K)+P(T+∣Kˉ)⋅P(Kˉ)
P(T+)=0,95⋅0,02+0,10⋅0,98=0,019+0,098=0,117
P(K∣T+)=0,1170,95⋅0,02=0,1170,019
P(K∣T+)=1170190≈0,162≈16,2%
Nur etwa 16,2% der positiv getesteten Personen sind tatsächlich krank.
P(Kˉ∣T−)=P(T−)P(T−∣Kˉ)⋅P(Kˉ)
P(T−)=P(T−∣K)⋅P(K)+P(T−∣Kˉ)⋅P(Kˉ)
P(T−)=0,05⋅0,02+0,90⋅0,98=0,001+0,882=0,883
P(Kˉ∣T−)=0,8830,90⋅0,98=0,8830,882
P(Kˉ∣T−)=88308820≈0,9989≈99,9%
Ein negatives Testergebnis schließt die Krankheit mit sehr hoher Sicherheit aus.
Die niedrige Prävalenz (2%) ist der entscheidende Faktor:
- Von 10000 Personen sind nur 200 krank, aber 9800 gesund.
- Selbst bei 90% Spezifität werden 980 gesunde Personen falsch positiv getestet.
- Die 980 falsch Positiven überwiegen die 190 richtig Positiven bei Weitem.
Richtig positivFalsch positiv=190980≈5,2
Auf jede tatsächlich kranke Person mit positivem Test kommen also etwa 5 gesunde Personen mit falsch positivem Test. Dies ist das Paradoxon der Baserate: Bei seltenen Krankheiten dominiert die große Grundgesamtheit der Gesunden.
Neue Vierfeldertafel für 10000 Personen mit P(K)=0,10:
- Kranke: 10000⋅0,10=1000
- Gesunde: 9000
- Richtig positiv: 1000⋅0,95=950
- Falsch positiv: 9000⋅0,10=900
| K (krank) | Kˉ (gesund) | Summe |
|---|
| T+ (positiv) | 950 | 900 | 1850 |
| T− (negativ) | 50 | 8100 | 8150 |
| Summe | 1000 | 9000 | 10000 |
P(K∣T+)=1850950≈0,514≈51,4%
P(K∣T+)≈51,4% (bei Pra¨valenz 10%)
Bei fünffacher Prävalenz steigt der positive Vorhersagewert von 16,2% auf 51,4% — die Prävalenz hat also einen enormen Einfluss auf die diagnostische Aussagekraft.
| Frage | Antwort |
|---|
| Vierfeldertafel | Siehe Schritt 1 |
| P(krank∣positiv) bei 2% | 1170190≈16,2% |
| P(gesund∣negativ) | 88308820≈99,9% |
| Niedriger PPV trotz guter Sensitivität | Baserate-Effekt: wenige Kranke, viele falsch Positive |
| P(krank∣positiv) bei 10% | 1850950≈51,4% |