Mittelstufe Standardaufgabe 8 Punkte ~15 Min. Mathematik & Logik

Stochastische Unabhängigkeit prüfen

Aufgabenstellung

Bei einer Umfrage unter 200200 Schülerinnen und Schülern einer Oberstufe wurde erhoben, wer gerne Mathematik und wer gerne Sport mag. Die Ergebnisse:

  • 120120 Personen mögen Mathematik.

  • 8080 Personen mögen Sport.

  • 6060 Personen mögen beides.

  • (a) Stellen Sie eine Vierfeldertafel mit absoluten Häufigkeiten auf.

  • (b) Berechnen Sie P(SportMathe)P(\text{Sport} \mid \text{Mathe}) und vergleichen Sie mit P(Sport)P(\text{Sport}).

  • (c) Prüfen Sie über P(MS)=P(M)P(S)P(M \cap S) = P(M) \cdot P(S), ob die Ereignisse stochastisch unabhängig sind.

  • (d) Interpretieren Sie das Ergebnis: Was bedeutet die Abhängigkeit inhaltlich?

Lösungsweg

Schritt 1: Vierfeldertafel aufstellen (a)

Bezeichnungen:

  • MM: „Person mag Mathematik”
  • SS: „Person mag Sport”

Gegeben: M=120|M| = 120, S=80|S| = 80, MS=60|M \cap S| = 60, n=200n = 200

Daraus:

  • MSˉ=12060=60|M \cap \bar{S}| = 120 - 60 = 60
  • MˉS=8060=20|\bar{M} \cap S| = 80 - 60 = 20
  • MˉSˉ=20012020=60|\bar{M} \cap \bar{S}| = 200 - 120 - 20 = 60
MM (Mathe)Mˉ\bar{M} (nicht Mathe)Summe
SS (Sport)606020208080
Sˉ\bar{S} (nicht Sport)60606060120120
Summe1201208080200200

Schritt 2: Bedingte Wahrscheinlichkeit vergleichen (b)

P(S)=80200=0,40=40%P(S) = \frac{80}{200} = 0{,}40 = 40\,\%

P(SM)=P(MS)P(M)=60/200120/200=60120=0,50=50%P(S \mid M) = \frac{P(M \cap S)}{P(M)} = \frac{60/200}{120/200} = \frac{60}{120} = 0{,}50 = 50\,\%

P(SM)=50%40%=P(S)\boxed{P(S \mid M) = 50\,\% \neq 40\,\% = P(S)}

Die Wahrscheinlichkeit, Sport zu mögen, ist unter den Mathe-Fans höher als in der Gesamtgruppe.

Schritt 3: Multiplikationsregel prüfen (c)

Stochastische Unabhängigkeit liegt vor, wenn P(MS)=P(M)P(S)P(M \cap S) = P(M) \cdot P(S) gilt.

P(MS)=60200=0,30P(M \cap S) = \frac{60}{200} = 0{,}30

P(M)P(S)=12020080200=0,600,40=0,24P(M) \cdot P(S) = \frac{120}{200} \cdot \frac{80}{200} = 0{,}60 \cdot 0{,}40 = 0{,}24

0,300,240{,}30 \neq 0{,}24

Die Ereignisse M und S sind nicht stochastisch unabha¨ngig.\boxed{\text{Die Ereignisse } M \text{ und } S \text{ sind nicht stochastisch unabhängig.}}

Die Abweichung beträgt 0,300,24=0,060{,}30 - 0{,}24 = 0{,}06, also 66 Prozentpunkte. Dies ist eine deutliche Abweichung.

Schritt 4: Inhaltliche Interpretation (d)

Die stochastische Abhängigkeit bedeutet: Wer Mathematik mag, mag mit höherer Wahrscheinlichkeit auch Sport (50%50\,\% statt 40%40\,\%). Es gibt also einen positiven Zusammenhang zwischen den beiden Interessen.

Mögliche Erklärungen:

  • Beide Interessen könnten eine gemeinsame Ursache haben, etwa eine allgemein hohe Leistungsbereitschaft oder ein Umfeld, das vielfältige Interessen fördert.
  • Es könnte auch eine Verzerrung durch die Stichprobe vorliegen (z. B. bestimmte Klassen überrepräsentiert).

Wichtig: Stochastische Abhängigkeit bedeutet nicht zwingend Kausalität — aus dem Zusammenhang allein lässt sich keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten.

Ergebnis

FrageAntwort
P(SM)P(S \mid M)60120=50%\frac{60}{120} = 50\,\%
P(S)P(S)80200=40%\frac{80}{200} = 40\,\%
P(MS)P(M \cap S) vs. P(M)P(S)P(M) \cdot P(S)0,300,240{,}30 \neq 0{,}24
UnabhängigkeitNein — positiver Zusammenhang zwischen Mathe und Sport

Schlagwörter

unabhängigkeitvierfeldertafelbedingte-wahrscheinlichkeit