Fortgeschritten Komplexaufgabe 12 Punkte ~25 Min. Mathematik & Logik

Ist die Münze fair? — Rechtsseitiger Signifikanztest

Zur Lektion: Hypothesentests

Aufgabenstellung

Eine Münze wird 100100-mal geworfen. Dabei fällt 6161-mal „Kopf”. Es soll auf einem Signifikanzniveau von α=5%\alpha = 5\,\% getestet werden, ob die Münze die Seite „Kopf” bevorzugt.

  • (a) Formulieren Sie die Nullhypothese H0H_0 und die Alternativhypothese H1H_1. Begründen Sie die Wahl der Testrichtung. (2 BE)
  • (b) Geben Sie die Verteilung der Testgröße XX unter H0H_0 an und berechnen Sie Erwartungswert μ\mu und Standardabweichung σ\sigma. (3 BE)
  • (c) Bestimmen Sie den kritischen Wert kk mithilfe der σ\sigma-Regel (Normalapproximation). (3 BE)
  • (d) Treffen Sie die Testentscheidung und interpretieren Sie das Ergebnis im Sachzusammenhang. (2 BE)
  • (e) Erklären Sie den Fehler 1. Art und den Fehler 2. Art im Kontext dieser Aufgabe. (2 BE)

Lösungsweg

Schritt 1: Hypothesen formulieren (a)

Die Vermutung lautet, dass die Münze „Kopf” bevorzugt, also p>0,5p > 0{,}5. Diese Vermutung soll nachgewiesen werden und bildet daher die Alternativhypothese.

H0 ⁣:p0,5(Die Muenze ist fair oder bevorzugt Zahl.)H_0\colon p \leq 0{,}5 \quad \text{(Die Muenze ist fair oder bevorzugt Zahl.)}

H1 ⁣:p>0,5(Die Muenze bevorzugt Kopf.)H_1\colon p > 0{,}5 \quad \text{(Die Muenze bevorzugt Kopf.)}

Da H1H_1 nur Werte oberhalb von 0,50{,}5 umfasst, handelt es sich um einen rechtsseitigen Signifikanztest. Der Ablehnungsbereich liegt am rechten Rand der Verteilung.

Schritt 2: Testgröße und Kenngrößen (b)

XX: Anzahl der Würfe mit Ergebnis „Kopf” in 100100 Würfen.

Unter H0H_0 (Grenzfall p=0,5p = 0{,}5):

XB(100;  0,5)X \sim B(100;\; 0{,}5)

Erwartungswert:

μ=np=1000,5=50\mu = n \cdot p = 100 \cdot 0{,}5 = 50

Standardabweichung:

σ=np(1p)=1000,50,5=25=5\sigma = \sqrt{n \cdot p \cdot (1-p)} = \sqrt{100 \cdot 0{,}5 \cdot 0{,}5} = \sqrt{25} = 5

μ=50,σ=5\boxed{\mu = 50, \quad \sigma = 5}

Schritt 3: Kritischen Wert bestimmen (c)

Gesucht ist das kleinste kk, für das gilt: P(Xk)0,05P(X \geq k) \leq 0{,}05 unter H0H_0.

Normalapproximation (σ\sigma-Regel):

Das 95%95\,\%-Quantil der Standardnormalverteilung ist z0,951,645z_{0{,}95} \approx 1{,}645.

k=μ+z0,95σ=50+1,6455=50+8,225=58,225k = \mu + z_{0{,}95} \cdot \sigma = 50 + 1{,}645 \cdot 5 = 50 + 8{,}225 = 58{,}225

Da kk ganzzahlig sein muss, wird aufgerundet:

k=59\boxed{k = 59}

Entscheidungsregel: H0H_0 wird verworfen, wenn X59X \geq 59.

Schritt 4: Testentscheidung (d)

Beobachteter Wert: X=61X = 61.

615961 \geq 59 \quad \checkmark

Der beobachtete Wert liegt im Ablehnungsbereich.

H0 wird verworfen.\boxed{H_0 \text{ wird verworfen.}}

Interpretation: Auf dem Signifikanzniveau α=5%\alpha = 5\,\% gibt es einen statistisch signifikanten Hinweis darauf, dass die Münze die Seite „Kopf” bevorzugt. Das Ergebnis von 6161 Treffern bei 100100 Würfen ist mit einer fairen Münze so unwahrscheinlich, dass die Annahme p0,5p \leq 0{,}5 verworfen wird.

Schritt 5: Fehler 1. Art und 2. Art (e)

Fehler 1. Art (α\alpha-Fehler):

Man verwirft H0H_0, obwohl H0H_0 in Wirklichkeit wahr ist.

Im Kontext: Man kommt zu dem Schluss, die Münze sei nicht fair (bevorzuge „Kopf”), obwohl sie in Wirklichkeit fair ist. Die 6161 Treffer wären dann nur durch Zufall entstanden.

Die Wahrscheinlichkeit für diesen Fehler beträgt höchstens α=5%\alpha = 5\,\%.

Fehler 2. Art (β\beta-Fehler):

Man verwirft H0H_0 nicht, obwohl H1H_1 in Wirklichkeit wahr ist.

Im Kontext: Man behält die Annahme bei, die Münze sei fair, obwohl sie in Wirklichkeit „Kopf” bevorzugt. Der Test erkennt die Abweichung nicht — z. B. weil die tatsächliche Wahrscheinlichkeit nur knapp über 0,50{,}5 liegt und die Stichprobe zu klein ist.

Ergebnis

FrageAntwort
H0H_0 / H1H_1H0 ⁣:p0,5H_0\colon p \leq 0{,}5; H1 ⁣:p>0,5H_1\colon p > 0{,}5 (rechtsseitig)
μ\mu und σ\sigmaμ=50\mu = 50, σ=5\sigma = 5
Kritischer Wert kkk=59k = 59
Entscheidung (X=61X = 61)H0H_0 wird verworfen (signifikant)
Fehler 1. ArtMünze als unfair eingestuft, obwohl sie fair ist
Fehler 2. ArtMünze als fair eingestuft, obwohl sie unfair ist

Schlagwörter

hypothesentestsignifikanztestrechtsseitig