Ist die Münze fair? — Rechtsseitiger Signifikanztest
Zur Lektion: Hypothesentests
Aufgabenstellung
Eine Münze wird -mal geworfen. Dabei fällt -mal „Kopf”. Es soll auf einem Signifikanzniveau von getestet werden, ob die Münze die Seite „Kopf” bevorzugt.
- (a) Formulieren Sie die Nullhypothese und die Alternativhypothese . Begründen Sie die Wahl der Testrichtung. (2 BE)
- (b) Geben Sie die Verteilung der Testgröße unter an und berechnen Sie Erwartungswert und Standardabweichung . (3 BE)
- (c) Bestimmen Sie den kritischen Wert mithilfe der -Regel (Normalapproximation). (3 BE)
- (d) Treffen Sie die Testentscheidung und interpretieren Sie das Ergebnis im Sachzusammenhang. (2 BE)
- (e) Erklären Sie den Fehler 1. Art und den Fehler 2. Art im Kontext dieser Aufgabe. (2 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Hypothesen formulieren (a)
Die Vermutung lautet, dass die Münze „Kopf” bevorzugt, also . Diese Vermutung soll nachgewiesen werden und bildet daher die Alternativhypothese.
Da nur Werte oberhalb von umfasst, handelt es sich um einen rechtsseitigen Signifikanztest. Der Ablehnungsbereich liegt am rechten Rand der Verteilung.
Schritt 2: Testgröße und Kenngrößen (b)
: Anzahl der Würfe mit Ergebnis „Kopf” in Würfen.
Unter (Grenzfall ):
Erwartungswert:
Standardabweichung:
Schritt 3: Kritischen Wert bestimmen (c)
Gesucht ist das kleinste , für das gilt: unter .
Normalapproximation (-Regel):
Das -Quantil der Standardnormalverteilung ist .
Da ganzzahlig sein muss, wird aufgerundet:
Entscheidungsregel: wird verworfen, wenn .
Schritt 4: Testentscheidung (d)
Beobachteter Wert: .
Der beobachtete Wert liegt im Ablehnungsbereich.
Interpretation: Auf dem Signifikanzniveau gibt es einen statistisch signifikanten Hinweis darauf, dass die Münze die Seite „Kopf” bevorzugt. Das Ergebnis von Treffern bei Würfen ist mit einer fairen Münze so unwahrscheinlich, dass die Annahme verworfen wird.
Schritt 5: Fehler 1. Art und 2. Art (e)
Fehler 1. Art (-Fehler):
Man verwirft , obwohl in Wirklichkeit wahr ist.
Im Kontext: Man kommt zu dem Schluss, die Münze sei nicht fair (bevorzuge „Kopf”), obwohl sie in Wirklichkeit fair ist. Die Treffer wären dann nur durch Zufall entstanden.
Die Wahrscheinlichkeit für diesen Fehler beträgt höchstens .
Fehler 2. Art (-Fehler):
Man verwirft nicht, obwohl in Wirklichkeit wahr ist.
Im Kontext: Man behält die Annahme bei, die Münze sei fair, obwohl sie in Wirklichkeit „Kopf” bevorzugt. Der Test erkennt die Abweichung nicht — z. B. weil die tatsächliche Wahrscheinlichkeit nur knapp über liegt und die Stichprobe zu klein ist.
Ergebnis
| Frage | Antwort |
|---|---|
| / | ; (rechtsseitig) |
| und | , |
| Kritischer Wert | |
| Entscheidung () | wird verworfen (signifikant) |
| Fehler 1. Art | Münze als unfair eingestuft, obwohl sie fair ist |
| Fehler 2. Art | Münze als fair eingestuft, obwohl sie unfair ist |