Kohlenstoff-14 (C-14) ist ein radioaktives Isotop, das in lebenden Organismen in einem konstanten Verhältnis vorkommt. Nach dem Tod eines Organismus zerfällt C-14 mit einer konstanten Rate. Die Halbwertszeit beträgt t1/2=5730 Jahre. Ein archäologisches Fundstück (Holzkohle) enthält noch 35 % des ursprünglich vorhandenen C-14.
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(a) Stelle die Differentialgleichung für den radioaktiven Zerfall auf und löse sie. Berechne die Zerfallskonstante λ aus der gegebenen Halbwertszeit. (5 BE)
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(b) Berechne das Alter des Fundstücks. Runde auf volle Jahre. (4 BE)
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(c) Newton’sches Abkühlungsgesetz: Ein Metallstück hat zum Zeitpunkt t=0 eine Temperatur von 80°C und kühlt in einem Raum mit konstanter Temperatur T∞=20°C ab. Nach t=10 Minuten beträgt die Temperatur 60°C. Stelle die DGL auf, löse sie mit der Anfangsbedingung, bestimme die Abkühlkonstante k und berechne, nach wie vielen Minuten die Temperatur 25°C beträgt. (6 BE)
Die Anzahl der C-14-Atome N(t) nimmt proportional zur vorhandenen Menge ab:
N′(t)=−λ⋅N(t)
Lösung durch Trennung der Variablen:
NdN=−λdt
∫NdN=∫−λdt
ln∣N∣=−λt+C1
N(t)=eC1⋅e−λt=C⋅e−λt
Anfangsbedingung N(0)=N0:
N0=C⋅e0=C
Damit ist die spezielle Lösung:
N(t)=N0⋅e−λt
Bestimmung der Zerfallskonstante λ aus der Halbwertszeit:
Nach der Halbwertszeit t1/2=5730 Jahren gilt N(t1/2)=2N0:
2N0=N0⋅e−λ⋅5730
e−5730λ=21
−5730λ=ln21=−ln2
λ=5730ln2≈57300,6931≈1,2097×10−4 pro Jahr
Gesucht ist der Zeitpunkt t∗, zu dem noch 35 % des ursprünglichen C-14 vorhanden sind:
N(t∗)=0,35⋅N0
Einsetzen in die Lösungsformel:
0,35⋅N0=N0⋅e−λt∗
e−λt∗=0,35
−λt∗=ln(0,35)
t∗=−λln(0,35)=1,2097×10−4−(−1,0498)
t∗=1,2097×10−41,0498≈8678 Jahre
t∗≈8678 Jahre
Plausibilitätsprüfung: 35 % liegt zwischen 41 (zwei Halbwertszeiten ≈ 11460 Jahre) und 21 (eine Halbwertszeit = 5730 Jahre). Ein Alter von ca. 8700 Jahren liegt erwartungsgemäß zwischen diesen Werten. ✓
DGL aufstellen: Die Abkühlungsrate ist proportional zur Temperaturdifferenz zwischen Körper und Umgebung:
T′(t)=−k⋅(T(t)−T∞)=−k⋅(T(t)−20)
Substitution: Setze u(t)=T(t)−20 (Temperaturdifferenz zur Umgebung). Dann gilt u′(t)=T′(t):
u′(t)=−k⋅u(t)
Lösung (wie beim Zerfall):
u(t)=C⋅e−kt
Also:
T(t)=20+C⋅e−kt
Anfangsbedingung T(0)=80°C:
80=20+C⋅e0=20+C⇒C=60
Spezielle Lösung:
T(t)=20+60⋅e−kt
Bestimmung von k aus T(10)=60°C:
60=20+60⋅e−10k
40=60⋅e−10k
e−10k=6040=32
−10k=ln(32)=ln2−ln3
k=−10ln(2/3)=10ln(3/2)≈100,4055≈0,04055 min−1
Vollständige Lösungsformel:
T(t)=20+60⋅e−0,04055t
Zeit bis T=25°C:
25=20+60⋅e−0,04055t
5=60⋅e−0,04055t
e−0,04055t=121
−0,04055t=ln(121)=−ln12
t=0,04055ln12≈0,040552,4849≈61,3 min
t≈61,3 Minuten
Plausibilitätsprüfung: T(10)=20+60⋅e−0,4055≈20+60⋅0,667=20+40=60°C ✓. Bei t→∞ gilt T→20°C (Raumtemperatur) ✓.
| Teilaufgabe | Ergebnis |
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| (a) Zerfallskonstante | λ=5730ln2≈1,21×10−4a−1; N(t)=N0e−λt |
| (b) Alter des Fundstücks | t∗≈8678 Jahre |
| (c) Abkühlkonstante | k≈0,04055min−1; T(t)=20+60e−kt |
| (c) Zeit bis 25 °C | t≈61,3 Minuten |