Aufgabenstellung
Weißes Licht fällt auf ein optisches Gitter mit g=600Linien/mm. Auf einem Schirm hinter dem Gitter wird das Licht in seine spektralen Bestandteile zerlegt.
- (a) Berechnen Sie die Gitterkonstante d und den Beugungswinkel für rotes Licht (λrot=650nm) in erster Ordnung. (4 BE)
- (b) Bestimmen Sie den Winkelbereich, in dem das Spektrum 1. Ordnung liegt (von Violett λv=400nm bis Rot λr=700nm). (4 BE)
- (c) Erklären Sie, warum bei einem Gitter mit mehr Spalten die Maxima schärfer werden. (3 BE)
- (d) Überprüfen Sie, ob sich die Spektren 1. und 2. Ordnung überlappen können. (4 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Gitterkonstante und Beugungswinkel (a)
Die Gitterkonstante d ist der Abstand zwischen zwei benachbarten Spalten. Bei g=600Linien/mm gilt:
d=g1=600mm−11=6001mm=1,667⋅10−3mm=1,667μm
Für die Lage der Maxima am Gitter gilt die Gittergleichung:
d⋅sin(α)=n⋅λ
Für rotes Licht (λrot=650nm) in erster Ordnung (n=1):
sin(α)=dn⋅λ=1,667⋅10−6m1⋅650⋅10−9m=0,3899
α=arcsin(0,3899)=22,95°≈23,0°
d=1,667μm;αrot≈23,0°
Schritt 2: Winkelbereich des Spektrums 1. Ordnung (b)
Violettes Licht (λv=400nm, n=1):
sin(αv)=1,667⋅10−6400⋅10−9=0,2400
αv=arcsin(0,2400)=13,89°≈13,9°
Rotes Licht (λr=700nm, n=1):
sin(αr)=1,667⋅10−6700⋅10−9=0,4200
αr=arcsin(0,4200)=24,83°≈24,8°
Der Winkelbereich des Spektrums 1. Ordnung erstreckt sich von:
Δα=αr−αv=24,8°−13,9°=10,9°
Spektrum 1. Ordnung: 13,9° (Violett) bis 24,8° (Rot),Δα≈10,9°
Schritt 3: Schärfere Maxima bei mehr Spalten (c)
Die Schärfe der Maxima hängt von der Anzahl N der beleuchteten Spalte ab:
-
Bei einem Gitter mit N Spalten überlagern sich N Teilwellen. Konstruktive Interferenz tritt nur dann auf, wenn alle N Teilwellen exakt in Phase sind – also genau bei den Winkeln, die die Gittergleichung erfüllen.
-
Bereits bei einer geringfügigen Abweichung vom exakten Maximumswinkel geraten die Beiträge der vielen Spalte zueinander außer Phase. Je mehr Spalte beteiligt sind, desto schneller kommt es zur gegenseitigen Auslöschung – die Intensität fällt steil ab.
-
Quantitativ gilt: Die Halbwertsbreite eines Maximums ist proportional zu N1. Die Winkelauflösung des Gitters beträgt N⋅dλ. Ein Gitter mit mehr Spalten hat also schmalere, schärfere Maxima und kann benachbarte Wellenlängen besser trennen (höheres Auflösungsvermögen A=n⋅N).
Mehr Spalte → schnellere Auslo¨schung bei Abweichung → schmalere, scha¨rfere Maxima
Schritt 4: Überlappung von 1. und 2. Ordnung (d)
Die Spektren überlappen sich, wenn der Beugungswinkel des kurzwelligen Lichts in 2. Ordnung kleiner ist als der des langwelligen Lichts in 1. Ordnung.
Rotes Licht, 1. Ordnung (λr=700nm, n=1):
sin(α1,r)=16671⋅700=0,4200⇒α1,r=24,8°
Violettes Licht, 2. Ordnung (λv=400nm, n=2):
sin(α2,v)=16672⋅400=0,4800⇒α2,v=28,7°
Da α2,v=28,7°>α1,r=24,8° beginnt das Spektrum 2. Ordnung erst nach dem Ende des Spektrums 1. Ordnung. Es gibt also keine Überlappung.
Prüfung der kritischen Grenze: Das Spektrum 2. Ordnung beginnt bei:
sin(α2,v)=16672⋅400=0,4800
Das Spektrum 1. Ordnung endet bei:
sin(α1,r)=16671⋅700=0,4200
Da 0,4800>0,4200, liegt keine Überlappung vor. Eine Überlappung würde erst auftreten, wenn 2⋅λv,min<1⋅λr,max, also wenn λv,min<350nm – was im sichtbaren Bereich nicht der Fall ist.
Keine U¨berlappung: 2. Ordnung (Violett bei 28,7°) beginnt nach 1. Ordnung (Rot bei 24,8°)
Ergebnis
| Frage | Antwort |
|---|
| Gitterkonstante | d=1,667μm |
| Beugungswinkel Rot (1. Ordnung) | α≈23,0° |
| Spektrum 1. Ordnung | 13,9° (Violett) bis 24,8° (Rot) |
| Schärfe bei mehr Spalten | Mehr Spalte → schmalere Maxima, höheres Auflösungsvermögen |
| Überlappung 1./2. Ordnung | Keine Überlappung im sichtbaren Bereich |